Vor dem Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn - John Bowler im Interview

Dienstag, 13.12.2011

Foto: Gerd Käser

Copyright: BBA & Ihre Partner

Foto: Gerd Käser

Foto: Gerd Käser

Copyright: BBA & Ihre Partner

Foto: Gerd Käser

Foto: Daniel Girrulat

Copyright: BBA & Ihre Partner

Foto: Daniel Girrulat

Foto: Gerd Käser

Copyright: BBA & Ihre Partner

Foto: Gerd Käser

Foto: Gerd Käser

Copyright: BBA & Ihre Partner

Foto: Gerd Käser

Die EnBW Ludwigsburg steht am kommenden Samstag vor einem  richtungweißenden Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn. Dies nahmen wir uns zum Anlass und trafen uns mit dem frisch gewordenen Familien Vater und Ex-Bonner Spieler John Bowler zum persönlichem Gespräch.


Daniel Girrulat:

John vor fast genau einem Monat bist du zum ersten Mal Vater geworden, herzlichen Glückwunsch auch nochmals an dieser Stelle von unserer Seite. Wie geht es deiner Frau Biz und eurer kleinen Tochter Grace?


John Bowler:

Vielen Dank Daniel! Sowohl meiner Frau, als auch meiner Tochter geht es gut. Beide sind wohlauf und vor allem gesund. Das ist das Wichtigste.

Daniel: Ich habe gehört, dass du bei der Geburt mit im Kreissaal warst. Wie war das für dich, was ging in dir vor?

John: Es fällt mir schwer, das alles in Worte zu fassen, was ich in diesen Stunden erleben durfte. Es ist einfach wie ein Wunder. Ich danke Gott, dass er mir und meiner Familie so ein Glück beschert hat. In diesem Moment überkommen dich einfach die Gefühle und du freust dich, an solch einem besonderen Tag teilhaben zu dürfen.

Daniel: Was war das für ein Gefühl, als du deine Tochter zum ersten Mal auf dem Arm gehalten hast?

John: Das ist einfach unbeschreiblich und für mich, mit nichts zu vergleichen. Wie ich schon gesagt habe, es ist einfach ein Wunder und es macht mich unendlich stolz. Dieses Gefühl können sicherlich alle Eltern dieser Welt nachvollziehen.

Daniel: Nun seid ihr zu dritt zu Hause. In wie fern hat sich das Leben im Hause Bowler verändert?

John: Es ändert sich einfach alles! Der ganze Tagesablauf ist plötzlich so anders, weil du auf die Bedürfnisse des Kindes Rücksicht nehmen musst. Bei uns läuft jetzt alles etwas strukturierter und organisierter ab. Meine Frau und ich versuchen, die anfallenden Aufgaben, so gut es geht, auf unseren beiden Schultern zu verteilen.

Daniel: Ich habe gehört, dass du die ganze Woche vor der Geburt kaum geschlafen hast und auch nur einmal mit der Mannschaft trainieren konntest. Wie warst du damals überhaupt körperlich dazu in der Lage, einen Tag nach der Geburt, gegen Ulm auf dem Feld zu stehen und dich mit John Bryant zu messen?

John: Das ist richtig. Meine Biz war insgesamt 3 Tage im Krankenhaus. Grace hat sich einfach Zeit gelassen und wollte uns etwas auf die Folter spannen. Wie es sich für einen guten Ehemann gehört, bin ich während dieser Zeit natürlich nicht von ihrer Seite gewichen und hatte auch von Seiten des Vereins die volle Unterstützung, was dies betrifft. In diesen 3 Tagen habe ich, wenn es hoch kommt, 4 Stunden geschlafen und am Ende der Woche, nach der Geburt, auch nur einmal mit der Mannschaft trainiert. Dass am nächsten Tag das Spiel gegen Ulm anstand, war für mich kein Problem. Ich war einfach nur glücklich und wollte raus auf´s Spielfeld. Leider konnten wir diese Partie nicht für uns entscheiden, das hätte diese besondere Woche für mich persönlich, einfach perfekt abgerundet.

Daniel: Gab es auch Glückwünsche von deinen alten Mannschaftskollegen aus Bonn, oder von anderen Profis aus der Beko BBL?

John: Ja, die gab es und darüber habe ich mich auch sehr gefreut. Chris Ensminger war einer der ersten Gratulanten, von dem ich eine Nachricht erhalten habe. Auch von Point Guard Jared Jordan kamen Glückwünsche an mich und meine Familie. Aus der Beko BBL erhielt ich von zahlreichen anderen Spielern, unter anderem von Darren Fenn, oder Alex King, ebenfalls Glückwunsch Nachrichten.

Daniel: Am Samstag steht nun das Heimspiel gegen dein altes Team aus Bonn auf dem Programm. Was ist für dich das Besondere an dieser Partie?

John: Besonders ist auf jeden Fall, dass ich 4 Jahre lang auf der anderen Seite stand. Letzte Saison war es schon komisch, zum ersten Mal, seit dem ich in Deutschland spiele, für eine andere Mannschaft aufzulaufen. Außerdem treffe ich mit Chris Ensminger auf einen der besten Center der Liga, mit dem ich ja auch in meiner letzten Saison in Bonn zusammen auf dem Parkett stand.

Daniel: John, du sprichst schon das Duell mit Chris Ensminger an. Wie bereitest du dich auf das Spiel gegen ihn vor?

John: Mir kommt in diesem Duell auf jeden Fall zu Gute, dass ich ein Jahr lang, jeden Tag, mit ihm im Training zusammen gearbeitet habe und ich dabei viele Facetten seines Spiels kennen lernen konnte. Dieses Wissen versuche ich jetzt natürlich, im Vorfeld der Partie wieder abzurufen und auch meinen Mitspielern den ein, oder anderen taktischen Hinweis, bezüglich der Spielweise von Chris Ensminger, zu geben. Nach all den Jahren, die ich ihn jetzt schon kenne, ob als Gegen-, oder Mitspieler, sollte man eigentlich denken, dass man alle Tricks und Bewegungen von ihm schon einmal gesehen hat. Aber Chris ist ein Spieler, der dich immer wieder überrascht und dich an jedem Tag, an dem du auf ihn triffst, auf ein Neues herausfordert. Ich freu mich immer auf solch eine Herausforderung, denn jeder Sportler mag es, sich mit den Besten zu messen. Und Chris zählt zweifelsfrei dazu.

Daniel: Nachdem ihr die Bonner bereits in der Vorbereitung, beim Turnier in Bad Neuenahr, bezwingen konntet, sind die Telekom Baskets ziemlich gut in die Saison gestartet und waren kurzzeitig sogar Tabellenführer. Nun sind sie allerdings seit den letzten 5 Spielen ohne Sieg und warten auf ein Erfolgserlebnis. Was glaubst du, erwartet euch am Samstagabend in der Arena Ludwigsburg?

John: Wir können auf jeden Fall davon ausgehen, dass Coach Mike Koch seine Mannschaft heiß machen und versuchen wird, die Wende für sein Team einzuleiten. Die Bonner Spieler werden extrem motiviert sein, das Spiel zu gewinnen. Nichts ärgert einen Spieler mehr, als wenn er einige Partien in Folge nicht gewinnen konnte. Außerdem haben die Bonner, in Person von Talor Battle, noch einen weiteren Guard verpflichtet, der in seiner letzten Saison an der Penn State University immerhin 20 Punkte pro Spiel erzielen konnte. Die Jungs wollen sicher etwas beweisen und werden bereit sein, uns einen harten Kampf zu liefern.

Daniel: Coach Mike Koch war sowohl 2006, als auch heute, der Trainer der Bonner und hat dich, nach Ende deiner Karriere an der Eastern Michigan University, nach Deutschland geholt. Wie ist heute dein Verhältnis zu Ihm?

John: Ich verdanke Coach Koch natürlich sehr viel. Er hat mir damals die Chance gegeben, mich in der ersten Liga in Deutschland zu etablieren und mir einen Namen zu erarbeiten. Nicht Wenige haben ihn damals belächelt und gesagt, dass er sich keinen Gefallen tut, mich in sein Team zu holen. Ich denke aber, dass ich während meiner Zeit in Bonn einiges an ihn und das Vertrauen, das er in mich gesetzt hat, zurückzahlen konnte. Unser Verhältnis heute, ist ganz normal. Wir respektieren uns gegenseitig für die Arbeit, die wir leisten. Am Ende muss aber eines klar sein, wenn wir gegen Bonn spielen, zählt für mich nur der Sieg. Während der 40 Minuten gebe ich alles, um am Ende als Gewinner vom Platz zu gehen.

Daniel: Gehen wir gedanklich zurück zum 25.6.2009. Spiel 5 der Finalserie EWE Baskets Oldenburg vs. Telekom Baskets Bonn. 11 Sekunden vor Schluss führt ihr mit einem Punkt und seid in Ballbesitz. Es folgen ein Turnover und 2 getroffene Freiwürfe von Oldenburg. Bei noch 4 Sekunden auf der Uhr, folgt ein erneuter Ballverlust und Oldenburg ist Meister. Was denkst du heute über diesen Tag und dieses dramatische Ende des entscheidenden Finalspiels?

John: Musst du mich jetzt an diesen Tag erinnern? Nein, Spaß bei Seite! Wenn ich dir sage, dass es heute immer noch weh tut, dann meine ich das absolut ernst. Als Sportler lebst du für solche Momente, in denen du die Meisterschaft gewinnst. Und wenn du dann so kurz vor dem Ziel gestoppt wirst, ist das natürlich total frustrierend. Du fühlst dich, als ob dir jemand den Boden unter den Füßen wegzieht. Dann schaust du in die Gesichter der mitgereisten Fans und musst erkennen, dass du gerade ziemlich viele Menschen traurig gemacht hast. Es war für uns, nach 2008, die zweite Finalniederlage in Folge. Wir hätten es wirklich verdient gehabt, den Titel nach Bonn zu holen. Vor allem, weil wir im entscheidenden 5. Spiel der Finalserie 39:49 Minuten lang tollen Basketball gespielt haben. Nur eben die letzten 11 Sekunden nicht. Aber so ist es nun mal, im Basketball. Am Ende kann eben immer nur eine Mannschaft den Sieg einfahren.

Daniel: Während deiner Zeit am College, hast du vor allem in deinem Senior Jahr unter den Körben dominiert. Am Ende der Saison erzieltest du 20 Punkte und 10 Rebounds im Schnitt. In deinem letzten Spiel am College, hast du vor heimischem Publikum 31 Punkte und 15 Rebounds aufgelegt und wurdest abschließend frenetisch gefeiert. Hat sich dein Spiel heute, im Vergleich zu damals, verändert?

John: Zum einen muss man natürlich sagen, dass ich es in meinem Senior Jahr meistens mit jüngeren Gegenspielern zu tun hatte. Außerdem war ich der Go-To-Guy unserer Mannschaft und es wurden sehr viele Systeme speziell für mich gespielt. Heute spielen wir mehr als Team. Bei uns kann an jedem Abend ein anderer Spieler heiß laufen und zum Top-Scorer avancieren. Mein Spiel hat sich natürlich auch dahingehend verändert, dass ich heute wesentlich reifer bin und klügere Entscheidungen treffen kann. Trotzdem bin ich noch in der Lage, zu scoren. Umso mehr Minuten ich auf dem Feld stehe, desto effektiver bin ich.

Daniel: In Bonn warst du der Publikumsliebling. Es wurde sogar von einem Fan ein Lied über dich geschrieben. Auch in Ludwigsburg stehst du bei den Zuschauern ebenfalls ganz hoch im Kurs. Was meinst du, woran es liegt, dass du immer wieder so gut bei den Fans ankommst?

John: Die Frage stelle ich mir auch sehr oft. Ich denke, dass die Fans zum einen sehen, dass ich in jedem Spiel bis an mein Leistungslimit gehe. Ihnen ist bewusst, dass da unten ein Mann auf dem Parkett steht, der immer alles gibt und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Auf der anderen Seite kann ich mir auch gut vorstellen, dass mich die Fans mögen, weil ich eben nicht wie der typische Basketball Spieler aussehe.

Daniel: In Bonn habt ihr in all den 4 Jahren, in denen du dort aktiv warst, die Playoffs erreicht und stets erfolgreich gespielt. Letztes Jahr haben wir leider am letzten Spieltag den Einzug in die Endrunde verpasst. Ist das für dich in dieser Saison eine Motivation, wieder unter die Top 8 Teams zu kommen?

John: Definitiv! Ich will nicht ein Spieler sein, der schon Ende April nach Hause fährt, weil wir den Einzug in die Playoffs nicht geschafft haben. Das hat mich und meine Mitspieler den ganzen Sommer über auch am meisten geärgert. Wir kamen alle zurück, um dieses Jahr den Leuten zu beweisen, dass wir mit den besten Mannschaften der Liga mithalten können.

Daniel: Nun war der Saisonstart aber alles andere, als erfolgreich. Von den ersten 11 Spielen konnten nur 4 Partien gewonnen werden. Wie schafft man es jetzt, das Ruder herumzureißen?

John: Es ist zwar eine alte Floskel, aber wir müssen jetzt wirklich von Spiel zu Spiel denken. Es soll keine Ausrede sein, aber Fakt ist, dass wir durch die Verletzungen von Donatas Zavackas, Mark Dorris und Jerry Green, immer wieder einen kleinen Schritt zurückgeworfen wurden. Dann verliert man zwei Mal zu Hause mit nur einem Punkt Unterschied und schon steht man in der Tabelle deutlich schlechter da, als man sich das selbst vorgestellt hat. Klar ist auch, dass man die Spiele in Göttingen und Bayreuth nie so abschenken darf. Aber um es kurz zu machen: Gegen Bonn und Hagen müssen Siege her, damit wir mit zwei Erfolgserlebnissen im Rücken nach Bamberg fahren können.

Daniel: Letzte Saison sind wir ähnlich schwach gestartet und haben von den ersten acht Spielen nur zwei Mal gewinnen können. Dann kam das Spiel in Bonn. Keiner hatte uns zu diesem Zeitpunkt einen Auswärtssieg im Telekom Dome zugetraut. Dank einer tollen Teamleistung und einem Double Double von dir, konnten wir damals die Partie für uns entscheiden und anschließend fünf, der nächsten sechs Spiele gewinnen. Kann das Spiel am Samstag zu einem ähnlichen „Turningpoint“ in dieser Saison für unsere Mannschaft werden?

John: Davon bin ich überzeugt. Wir müssen diese Partie gegen Bonn zu unserem Schlüsselspiel machen und anschließend gegen Hagen nachlegen. Vor allem zu Hause, dürfen wir uns jetzt keinen Fehler mehr erlauben und müssen sicherstellen, dass mit unseren Fans im Rücken, unser Heimvorteil bewahrt bleibt. Wir alle hoffen, dass Jerry Green am Samstag spielen kann und wir dann endlich mit einer gesunden Mannschaft angreifen können.

Daniel: In der vorherigen Spielzeit hattest du mit Rick Rickert einen Center Kollegen an deiner Seite, der sich ziemlich grundlegend von Kurt Looby unterscheidet. Wie kommst du mit deinem neuen Partner in der Zone zurecht?

John: Rick Rickert war ein Center, der ähnlich wie ich, ein guter Scorer war und von der Bank kommend, immer 10 Punkte erzielen konnte. Ich will nicht sagen, dass Kurt Looby das genaue Gegenteil ist, auch er ist in der Lage zu scoren, wenn er gut in Szene gesetzt wird. Jedoch strahlt Kurt in der Defense eine ganz andere Präsenz aus. Es ist unglaublich, wie der Junge unter den Körben ackert. Er ist definitiv eine Bereicherung für unser Spiel und mich freut es für ihn, dass er auch bei den Fans so beliebt ist. Das hat er sich auf jeden Fall durch seine harte Arbeit verdient.

Daniel: Gibt es im Training Momente, bei denen ihr gegenseitig voneinander profitieren könnt?

John: Auf jeden Fall gibt es die. Für mich ist es ein unglaublich großer Vorteil, jeden Tag mit ihm im Training zu arbeiten. In jeder Trainingseinheit muss ich auf der Hut vor seinen Blocks und seiner Defense sein. Einen besseren Trainingspartner kann ich mir gar nicht vorstellen. Offensiv kann ich ihm immer wieder Kleinigkeiten zeigen, die er dann in sein Spiel einbauen kann. Also profitieren wir am Ende beide voneinander.


Wir bedanken uns bei John Bowler, für dieses ausführliche Gespräch, wünschen ihm und seiner Familie auch in der Zukunft alles Gute und freuen uns auf das Spiel am Samstag gegen die Telekom Baskets Bonn.

Daniel Girrulat
EnBW Ludwigsburg


Kommentare


« zurück