Homestory Teil 7: Zu Besuch bei Michael Haynes!
Freitag, 26.02.2010
Eigentlich kennt man die gelben Riesen nur auf dem Parkett! Man sieht sie in der Arena Ludwigsburg bei einem Heimspiel, oder auswärts, man begegnet ihnen vielleicht mal auf der Strasse in Ludwigsburg, beim Essen, oder beim Einkaufen, aber wie sieht es bei den Spielern der EnBW Ludwigsburg daheim aus? Was wäre Mike Haynes geworden, wenn er nicht Basketball spielen würde? Wo hält sich David McCray am liebsten in Ludwigsburg auf, oder wie verbringt Domonic Jones seine Zeit zwischen den Trainingseinheiten? Das alles und mehr möchten wir, also Verena und Laura, in unserer Home Story Serie herausfinden. Nach und nach besuchen wir jeden Spieler in seinen eigenen vier Wänden und stellen ihm interessante Fragen über sich selbst, Basketball und das Leben in Ludwigsburg.
Um die Mittagszeit stehen wir in Asperg vor einem hohen Wohnblock. Wir klingeln, doch niemand öffnet, hat Michael Haynes den Termin für die Home Story etwa vergessen? Nach einem zweiten Klingeln ertönt Mike’s Stimme an der Sprechanlage und die Tür surrt zum Öffnen. Gewappnet mit Hundekuchen erwarten wir, von Mike’s vierjährigem Boxerrüden Sonny stürmisch begrüßt zu werden, doch an der Tür steht nur der Ludwigsburger Power Forward. Sonny wird nämlich noch kurz im Bad geduscht, weil er nach dem Gassi gehen so dreckig war. Wir setzen uns solang ins große Wohnzimmer und werden dann schließlich doch von Sonny freudig empfangen. Während sich der Hund auf seinen Hundeplatz neben dem Sofa legt, beginnen wir mit dem Interview. Woher kommt denn eigentlich der Name Sonny? „Ich habe ihn nach dem berühmten Boxer Sonny Liston getauft. Als ich ihn in Spanien gekauft habe, hat er gerade mal so in meine Hand gepasst, jetzt ist er vier Jahre alt, doch er benimmt sich immer noch wie ein Baby“, erzählt Mike. Und wie gefällt euch beiden die Wohnung? „Oh, hier gibt es viel Platz, die Küche zum Beispiel ist sehr groß, das gefällt mir. Die Lage der Wohnung ist für Sonny ideal. Direkt am Haus fangen die Felder an, da können wir spazieren gehen. Leider kenne ich die Nachbarn nicht so gut, nur die Vermieterin, aber die ist sehr nett“, berichtet der 2,03 Meter große Amerikaner.
Michael Haynes sammelte als Spieler schon in einigen Ländern Erfahrungen. In seinem ersten Jahr im Ausland stand er in Israel auf dem Parkett, danach spielte er in Spanien, Polen, Frankreich und dann kam er nach Deutschland. „An meine Zeit in Israel erinnere ich mich sehr gern zurück, weil ich mich dort wohl und irgendwie angekommen gefühlt habe. Ich hatte nie Heimweh, was wahrscheinlich auch daran lag, dass Israel ein sehr amerikanisiertes Land ist. Spanien dagegen hat eine sehr gute Liga. Es gibt viele talentierte Spieler und das Wetter ist schön“, sagt Mike und muss grinsen. „Nach Ludwigsburg bin ich hauptsächlich wegen Headcoach Tolga Öngören gekommen. Letztes Jahr waren wir beide noch Teil der Tübinger Mannschaft und daher wusste ich, wie Tolga mit dem Team arbeitet und das hat mir gefallen“, ergänzt der gelbe Riese und fährt fort: „Zwischen Deutschland und Amerika gibt es natürlich viele Unterschiede. Zum Beispiel stecken dich Leute in den Staaten schnell anhand von deinem Aussehen in eine bestimmte Schublade. Dort wird viel an Stereotypen festgemacht. Hier in Deutschland sind die Menschen liberaler. Ich komme aus New York, das ist eine sehr hektische Stadt. Hier in Deutschland geht es viel kontrollierter zu. Das Essen ist auch anders. Ehrlich gesagt mag ich Spätzle nicht besonders. Aber die Großmutter unseres Athletik Coachs, Benni Pantoudis, hat schon einige Male für mich deutsches Essen gekocht und das hat mir geschmeckt. Sie ist meine ‚German Oma’“, freut sich Mike und lacht.
Wir wissen schon, dass Mike selbst als exzellenter Koch geschätzt wird und fragen ihn, was wohl ohne Basketball aus ihm geworden wäre? „Bestimmt wäre ich ein Chef“, sagt er und wir verstehen nicht gleich. Ein Chef, also ein Chefkoch? „Nein, in Amerika sagen wir einfach Chef, das bedeutet, dass man der oberste Mann in der Küche ist und bestimmt, was alle anderen tun“, erklärt er. Und woher kommt das Talent am Herd? „Als ich anfing im Ausland zu spielen, musste ich entweder selber kochen, oder ins Restaurant gehen. Die Restaurants wurden bald langweilig und so bekam ich viel Praxis in der Küche. Aber vielleicht wäre ich auch ein Barbier geworden. Mein Onkel hatte einen Herrensalon und das fand ich immer interessant. Eigentlich habe ich jedoch Marketing studiert und in diesem Fach einen Bachelor“, antwortet Mike.
Da fällt uns auf, dass wir noch gar nicht gefragt haben, wie Mike eigentlich zum Basketball kam. „Angefangen zu spielen habe ich mit fünf Jahren. Meine Onkels haben gespielt und ich habe gern Bird und Jordan im Fernsehen zugeschaut. Eigentlich machte ich es nur zum Spaß und dachte nicht an eine professionelle Karriere. Mit 12 spielte ich in der Schule, aber da war ich nur durchschnittlich gut. Danach habe ich aufgehört, in einer festen Mannschaft zu spielen, nur noch so ab und zu mit Freunden. Mit 16 stieg ich wieder ein. Ich war über den Sommer extrem viel gewachsen und mein Coach sagte, bei so einer Größe muss man Basketball spielen. Also spielte ich wieder im Team und fing an, in Basketball Camps zu gehen“, erzählt Mike.
Als nächstes kommen wir auf die Stadt Ludwigsburg zu sprechen. „Ich bin nicht so oft in Ludwigsburg, aber das was ich kenne, gefällt mir. Zwischen den Trainingseinheiten gehe ich mit Sonny raus, spiele Playstation, oder schaue Filme an. Ab und zu gehen wir mit dem Team nach einem Heimspiel in Stuttgart weg, aber natürlich nur nach einem Sieg“, berichtet Mike. Am 7. März 2010, um 17:00 Uhr, trifft Mike auf seinen ehemaligen Verein, die WALTER TIGERS TÜBINGEN, in der Ludwigsburger Arena. Die Fans würden sich freuen, wenn es nach diesem Spiel auch wieder Grund zum feiern gibt. „Es ist natürlich etwas besonderes, gegen Tübingen zu spielen und ich freue mich sehr auf meine ehemaligen Teamkollegen Jay Thomas und Kenny Williams, aber es ist auch schwierig, denn ich kenne ihre Art zu denken und ich weiß, dass sie, erst Recht nachdem wir in Tübingen gewonnen haben, alles daran setzen werden, um zu gewinnen. Wir müssen unser Heim schützen und das ist durch den Druck der Fans zu Hause meist schwieriger, als auswärts“. Da Mike die Ludwigsburger Fans schon selbst anspricht, haken wir nach und fragen, wie ihm die Stimmung der Ludwigsburger Fans gefällt? „Die Ludwigsburger Fans sind toll. Sie geben uns ein gutes Gefühl während dem Spiel und selbst bei fernen Auswärtsspielen ist immer jemand dabei, das hilft uns an einem Spieltag sehr“, antwortet Mike.
Und an so einem Spieltag, gibt es da besondere Rituale? Mike muss kurz überlegen und sagt dann: „Ich esse immer Pasta vor einem Spiel und ich versuche, nicht zu viel zu schlafen“. Wir wundern uns und sprechen Mike auf das Head Band an, dass er bei jedem Spiel trägt. „Das Head Band gehört einfach dazu, ich kann nicht ohne spielen. Ich würde das nicht als Ritual bezeichnen, es geht einfach nicht ohne“, entgegnet er.
Die Saison neigt sich ja schon dem Ende zu. Nur noch 5 Heimspiele und 6 Auswärtsspiele, bestreiten die gelben Riesen in der regulären Spielzeit. Wie verbringt Mike denn seinen Sommer danach? „Ich mache erst einmal Urlaub in Mexiko und wahrscheinlich in Puerto Rico, dort werde ich Richard Chaney und seine Familie treffen. Sonst verbringe ich Zeit mit meiner Familie zu Hause und häng mit meinen Freunden ab. Ich freu mich drauf, denn ich vermisse meine Familie sehr. Zwar telefoniere ich regelmäßig mit meiner Mutter, aber eigentlich mach ich das gar nicht so gerne, weil sie mir dann erzählt, was daheim los ist und was ich alles verpasse. Das tut mir dann leid. Wisst ihr, wir haben einen starken Familienzusammenhalt“, erzählt Mike und fährt fort: „Aber es ist schon ok, ich bin es gewohnt, mit Heimweh umzugehen. Außerdem mag ich das Ludwigsburger Team sehr. Wir verstehen uns gut und es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu spielen“.
Am Ende der Home Story schießen wir, wie immer, noch ein paar Fotos. Natürlich ist Sonny auch dabei, obwohl still halten nicht unbedingt zu seinen Stärken gehört und wir deswegen ein bisschen länger brauchen. Wir bedanken uns bei Mike für seine Zeit und verabschieden uns von Sonny, der ein wenig traurig drein schaut, weil seine neuen Spielkameraden schon wieder gehen müssen.
Hast du noch eine spezielle Frage zu einem unserer Spieler, den wir noch nicht besucht haben? Dann schreibe uns eine Mail mit deiner Frage an info@enbw-ludwigsburg.de.
Wir freuen uns darauf!