Markus Jochum: „Es soll eine Entwicklung in Gang gesetzt werden“

Freitag, 11.06.2010

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Was lange währt, wird endlich gut. Nach langer Wartezeit präsentierte die EnBW Ludwigsburg am Mittwoch mit Markus Jochum seinen absoluten Wunschkandidaten für die Position des Cheftrainers. Auf einer Pressekonferenz im nestor Hotel Ludwigsburg stellten sich Jochum, der 1. Vorsitzende der EnBW Ludwigsburg, Alexander Reil, sowie Teammanager Mario Probst den Fragen der Pressevertreter.

Alexander Reil, 1. Vorsitzender der EnBW Ludwigsburg, eröffnete die Pressekonferenz mit einem Blick auf die Entscheidungsfindung in der Trainerfrage und machte deutlich, dass es letztendlich „eine Entscheidung für Markus Jochum und nicht gegen Tolga Öngören war“. „Das reine sportliche Ergebnis der vergangenen Saison hat dabei nicht den Ausschlag gegeben, immerhin war es das Beste seit drei Jahren. Daher war uns klar, dass wenn wir uns für einen Trainerwechsel entscheiden, muss der neue Mann 100%ig in unser Konzept passen“, führte Reil weiter aus und betonte noch einmal, dass „die Zusammenarbeit mit Tolga Öngören sowohl auf der fachlichen, als auch der menschlichen Ebene sehr positiv war und der ganze Verein großen Respekt und Achtung vor seiner Arbeit hat“.

Der EnBW-Vorstand machte es sich also nicht leicht und nahm sich viel Zeit für diese Entscheidung. Als sich schließlich die Chance bot, mit Markus Jochum einen alten Bekannten und letztlich den absoluten Wunschkandidaten für die Position des Cheftrainers zu verpflichten, schlugen die Barockstädter zu. Möglich gemacht wurde dies erst durch das große Entgegenkommen der Ministerien, die einer Freistellung Jochums vom Schuldienst zustimmten und so den Weg für diese Verpflichtung ebneten. Reil sprach am Mittwoch daher noch einmal ein großes Dankeschön an die entsprechenden Stellen aus, machte aber auch klar, dass diese Konstellation keine Aussage über die Vertragsdauer des neuen Trainers zulasse. Vielmehr wollte der 1. Vorsitzende auf die positiven Eigenschaften des gebürtigen Saarländers eingehen: „Markus Jochum hat mir durch seinen starken Siegeswillen und großen Einsatz bereits als Spieler imponiert. Er ist ein starker Charakter, der schon immer Verantwortung übernommen hat. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre habe ich den Schluss gezogen, dass der Trainer vor allem über Führungsqualitäten verfügen muss. Markus Jochum erfüllt dieses Kriterium zur 100%“.

Ein weiteres Plus für Jochum war das hohe Maß an Identifikation, das Jochum durch seine erfolgreiche Vergangenheit im Ludwigsburger Basketball mitbringt. Fast zehn Jahre ging der Aufbauspieler für die Barockstädter auf Korbjagd und reifte dabei zum 62-maligen Nationalspieler. Unvergessen sind dabei Erfolge, wie das Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft 1992, oder das Vordringen ins Achtelfinale des Europapokals 1994. Daher zeigte sich Jochum „glücklich wieder hier zu sein. Ich habe in Ludwigsburg meine schönsten Jahre erlebt und bin mir sicher, dass wir hier etwas Gutes auf den Weg bringen können“. Seine Liebeserklärung an die Stadt und den Verein unterstrich der 46-Jährige noch mit der Aussage, dass „ich mir nicht vorstellen könnte, bei einem anderen Verein in der BBL zu arbeiten“. Jochum gab auch zu, immer mit einer Rückkehr nach Ludwigsburg geliebäugelt zu haben, „daher bin ich umso glücklicher, dass es jetzt geklappt hat“. „Ich hatte bei den ersten Gesprächen sofort ein sehr positives Gefühl und bin schnell zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mein Herz beim Basketball habe und noch einmal voll angreifen möchte. Der Zeitpunkt hat einfach gepasst und ich freue mich riesig auf die neue Herausforderung“, führte der neue EnBW-Coach weiter aus.

Auf die Frage, welche Ziele er in seiner ersten Saison in Ludwigsburg verfolgen wird, machte Jochum deutlich, dass es zunächst am wichtigsten ist, „eine Entwicklung in Gang zu setzen“. Es beginne nun etwas Neues, daher „muss das erste Ziel sein, eine gute Mannschaft zusammen zu stellen“. „Ich habe meine Vorstellungen, wie Basketball gespielt wird. Ich möchte einen schnellen Basketball spielen, um das zu tun, muss man eine sehr gute Verteidigung spielen. Defense ist eine Willenssache, daher werde ich mich auf die Suche nach Spielern machen, die verteidigen wollen“, gab Jochum weiter Einblick in seine Philosophie. Als ehemaliger Aufbauspieler zeigte der 46-Jährige außerdem auf, dass die Position des Spielmachers ein wichtige Rolle in seinem Konzept einnehmen wird: „Ich suche jemanden, auf den ich mich voll und ganz verlassen kann, jemanden, der das Spiel lesen kann und eigene Entscheidungen trifft“.

Während Jochum in den kommenden Wochen also den Spielermarkt sondieren und Gespräche mit den Spielern des letztjährigen Kaders führen wird, freut sich der neue Cheftrainer auch auf die Arbeit mit den jungen deutschen Talenten David McCray, Ziyed Chennoufi und Phillipp Heyden, die allesamt für die kommende Spielzeit unter Vertrag stehen. Teammanager Mario Probst ergänzte diese Liste noch um Tim Koch, David Michalczyk, Nedim Hadzovic, sowie U17-Nationalspieler Besnik Bekteshi und den 2,08m großen Jonathan Maier, die bereits im vergangenen Jahr mit dem Bundesligateam trainierten und die Mannschaft der BBA Ludwigsburg in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) bis ins Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft führten. „Die Quote der deutschen Spieler wird in den kommenden Jahren weiter steigen, daher sind wir froh, bereits jetzt vielversprechende Talente in unserem Programm zu haben“, so Probst zu den Zukunftsaussichten der Nachwuchstalente, während Reil noch einmal die erheblichen Investitionen in den Jugendbereich betonte, die nicht auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtet sind und dem Verein in Zukunft zu Gute kommen werden. Derweil stehen die ersten Personalentscheidungen unmittelbar bevor, hat der Verein im Juni doch noch die Möglichkeit, die Optionen zur Vertragsverlängerung von Richard Chaney, Rashaun Freeman, Michael King und Michael Haynes zu ziehen, während die bereits geführten Gespräche mit Quadre Lollis, Kyle Visser und Domonic Jones nach Klärung der Trainerfrage nun intensiviert werden.

An Urlaub ist für den neuen EnBW-Trainer in den kommenden Wochen also nicht zu denken, Jochum sieht die hohe Belastung jedoch gelassen und machte deutlich, dass „Arbeit, die Spaß macht, für mich wie Urlaub ist“. Auch auf die Frage, wie er mit der hohen Erwartungshaltung des Ludwigsburger Publikums zurecht kommen wird, zeigte sich der 46-Jährige entspannt und antwortete, wie man es von Markus Jochum erwartet: „Als Spieler habe ich immer meine besten Leistungen gebracht, wenn es richtig gebrannt hat“.


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