Kirchheim Knights unterliegen Karlsruhe mit 73:95
Sonntag, 09.11.2008

VfL Kirchheim Knights: Ritter mit wenig Biss und fehlendem Teamplay
„Wir waren den Karlsruhern in allen Belangen unterlegen“, stellte Knights-Coach Frenkie Ignjatovic auf der Pressekonferenz nach dem Spiel seiner Mannschaft gegen die BG Karlsruhe fest. Mit 73:95 fiel die dritte Heimspielniederlage der Knights dann auch dementsprechend deutlich aus. Die Serie von zuletzt drei Siegen in Folge wurde jäh gestoppt, den Blick richten Coach und Mannschaft aber nach vorne. Der Erwartungsdruck war da – auf Grund der guten Leistungen der Kirchheimer in den letzten Spielen und dem sensationellen Heimsieg gegen den MBC vor zwei Wochen, fanden gut 1.100 Zuschauer den Weg in die Sporthalle Stadtmitte, um ihre Knights zu einem weiteren Erfolg zu peitschen. Das Überraschungsmoment aus dem Spiel gegen den MBC war aber an diesem Abend nicht auf Seiten der Knights: Gästetrainer Peter Krautwald, der erstmals ohne seinen Co Jan Michaelis an der Seitenlinie stand, war durch die jüngsten Auftritte der Gastgeber gewarnt und stellte seine Mannschaft von der ersten Sekunde an richtig ein. „Wir haben von Beginn an gut getroffen und dadurch schnell unser Selbstvertrauen gefunden. Die Basis für unseren Erfolg haben wir aber aus der Verteidigung heraus geschaffen“, resümierte der zufriedene Coach der Badener nach dem Spiel.
Wie wichtig die ersten Spielzüge, Würfe und Rebounds für die Einstellung und das Selbstbewusstsein einer Mannschaft sind, wurde einmal mehr den Fans durch die Leistung ihrer Ritter vor Augen geführt. Anders noch als bei den letzten Spielern saßen die ersten Würfe nicht und vor allem die Defense ließ immer wieder zu, dass die Karlsruher Distanzschützen Elliot und Moore freistehend ihre Würfe jenseits der Dreierlinie nehmen konnten. Für Ignjatovic waren diese ersten Spielminuten dann auch richtungsweisend für den weiteren Spielverlauf: „Wir haben am Anfang alles falsch gemacht und dadurch kam mein Team nicht ins Spiel. Wir sind keine Spitzenmannschaft, die durch die Qualität der Einzelspieler ein Spiel kippen kann.“
So ist es gerade das Mannschaftsspiel und der Kampf bis zur Selbstaufgabe mit dem die Mannschaft punkten kann. Wird diese Einstellung nicht gefunden, kann ein Spiel nicht gewonnen werden – erst recht nicht gegen die Mannschaft aus Karlsruhe. Nur in den ersten fünf Minuten konnten die Ritter, die mit Chennoufi, Baumann, Crawford, Scott und Tom Klemm starteten, das Spiel annähernd offen halten. Als zur Hälfte des ersten Viertels der Youngster den Monats, Ziyed Chennoufi, seine beiden Freiwürfe zum 10:12 verwandelte, waren die Gäste das letzte Mal in Sichtweite. Punkt für Punkt setzte sich die BG Karlsruhe ab – angeführt von einem glänzend aufgelegten Al Elliot, der scheinbar immer gegen Kirchheim besonders in Form zu sein scheint.
Mit den drei erfolgreichen Dreiern trug er einen Löwenanteil zur 21:29-Viertelführung seiner Mannschaft bei. Dem Kirchheimer Angriffsverhalten war vor allem der Respekt vor dem 208 m großen und 120 kg schweren Center Justin Howard anzumerken. Lediglich Youngster Chennoufi fiel in einem verunsicherten Team positiv auf. Im zweiten Viertel konnte der Eindruck aufkommen, dass die Gastgeber ihre Abwehrbemühungen vollends einzustellen gedachten: ein einziges Foul der Knights-Spieler während der zweiten 10 Spielminuten sprechen eine deutliche Sprache.
Es fehlte Biss, Aggressivität und Selbstbewusstsein. Der Spielmacher auf Seiten der Karlsruher, Al Elliot machte es zudem seinem Gegenüber Cliff Crawford eins ums andere Mal vor, wie ein Spiel zu führen ist. Crawford fehlte gegen seinen ehemaligen Verein über die ganze Spielzeit hinweg der Bezug zu seinen Mitspielern und zu seinem Coach. Oft wurde er aber auch zu Einzelaktionen gezwungen, da sich seine Mannschaftkollegen nicht genug bewegten und einfach nicht anspielbar waren. Sechs seiner insgesamt acht Punkte erzielte er im zweiten Viertel, seine Wurfquote bei Würfen aus dem Spiel heraus war mit 1/12 ausgesprochen schlecht.
Beim Halbzeitstand von 34:49 war das Spiel quasi schon entschieden, zumal die Badener wieder den besseren Start ins dritte Viertel erwischten. Die Knights bemühten sich, den Rückstand zu verkürzen, allerdings ohne Erfolg. In dieser Phase kam wie im gesamten Spielverlauf kein Mannschaftsspiel zu Stande, der Ball lief nicht durch die Reihen, die dadurch erzwungenen Einzelaktionen wurden selten erfolgreich abgeschlossen: zur Konzeptlosigkeit kam wie in den meisten Fällen noch Pech dazu. Gegen Mitte des dritten Viertels brachen die Gäste den Widerstand der Teckstädter endgültig und zogen teilweise auf 27 Punkten davon. Im abschließenden Viertel neutralisierten sich die Mannschaften, Karlsruhe nahm einen Gang raus, was die Gastgeber aber nicht entscheidend nutzen konnten. Der Endstand von 73:95 entsprach dem Leistungsunterschied der Teams an diesem Abend, das Reboundverhältnis von 36:47 und eine Effektivitätsquote von 58:114 sprechen eine deutliche Sprache.
„Wir werden nach vorne schauen“, lautet die einzig richtige Devise des Trainers. Das Auftreten der Mannschaft hat deutlich gemacht, dass sich in dieser Saison Höhen und Tiefen abwechseln werden und dass die bedingungslose positive Einstellung jedes einzelnen Spielers von der ersten Sekunde an entscheidend für Erfolg und Misserfolg sein wird. Am Samstagabend waren es vor allem die Jungen wie Chennoufi, Heyden und Peter Klemm, die positiv aufgefallen sind, die arrivierten Kräfte konnten ihre gewohnte Leistung nicht abrufen. Ignjatovic forderte für die kommenden Wochen, dass sich an der Trainingsbeteiligung etwas ändern muss. Hier ist das Management gefragt: es müssen die Rahmenbedingungen dafür geschafften werden, um sicher zu stellen, dass täglich ein vollwertiges Training durchgeführt werden kann.
Am kommenden Samstag werden Ignjatovic und seine Mannschaft die nächste Herausforderung annehmen und ins Revier zu Schalke 04 reisen. Beim Spiel am 15. November um 19.30 Uhr werden Fans und Mannschaft in Sascha Kesselring auf einen alten Bekannten treffen.
Statistik:
VfL Kirchheim Knights - BG Karlsruhe: 73: 95 (21:29, 13:20, 19:25, 20:21)
VfL Kirchheim Knights: Tomasevic 5 (1/6), Chennoufi 10 (0/1, 6 Reb.), Baumann 14 (1/4, 9 Reb.), Crawford 8 (0/3), Scott 11 (1/5, 7 Reb.), Lenger n.e., P. Klemm 2, Ivanovic n.e., Howard n.e., T. Klemm 13 (3/4), Heyden 10, Reichmuth n.e.
BG Karlsruhe: Roessler 21, Howard 17, Elliot 14, Watson 7, Moore 15, Simin 7, Baumer, Heindel, Rastatter 2, Kazarnovski 10, Rück 2, Hurst

