Von allen guten (Halloween-)Geistern verlassen?

Dienstag, 03.11.2009

Copyright: BBA & Ihre Partner

Auf dem Höhenflug jäh gestoppt: mit einer inakzeptablen Leistung verloren die bisher so heimstarken Knights gegen den bis dato sieglosen USC Freiburg mit 66:80. Fassungslose Zuschauer mussten bereits im ersten Viertel mit ansehen, wie stark aufspielende Breisgauer mit einem 13-0 Lauf die Ritter zu Statisten degradierten.

Wie schnelllebig der Sport auch unter der Teck ist, mussten die Kirchheimer Basketballer am vergangenen Samstag schmerzhaft erleben. Vor zwei Wochen noch hochumjubelter Tabellenführer, durch Tempobasketball und aggressive Verteidigung überzeugend und bereits als Team der Stunde gefeiert, mussten die jungen Spieler von Coach Ignjatovic nach dem Spiel gegen Freiburg sogar vereinzelte Pfiffe der enttäuschten Zuschauer hinnehmen. Vorangegangen war eine deprimierende Leistung eines Teams, das an diesem Abend diesen Namen nicht verdient hatte. Wie gelähmt wirkten die verzweifelten Versuche der Gastgeber, den Ball im Korb unterzubringen, der streckenweise wie vernagelt erschien. Die Gäste aus dem Breisgau dagegen düpierten eins um andere Mal die statische Kirchheimer Abwehr und profitierten von einer überdurchschnittlichen Trefferquote.

Mit Tomasevic, Freymond, Scott, De Michael und Lischka starteten die Knights ins Spiel. Erst kurz zuvor eingetroffen waren, bereits zum wiederholten Mal verspätet, die Ludwigsburger Kooperationsspieler Phillipp Heyden und Ziyed Chennoufi. Da auch der grippegeschwächte David Michalczyk nur in Zivil auf der Mannschaftsbank Platz nehmen konnte, musste Ignjatovic mit einer vor allem zu Beginn deutlichen Schwächung seines Teams fertig werden. Schon bei den ersten Aktionen war zu erkennen, dass Freiburg wesentlich besser ins Spiel gefunden hatte als der Gastgeber, der sich bei den Punkterfolgen von Roquette und Sharda völlig orientierungslos in der Abwehr präsentierte. Mit dem Dunking zum 5:7 von Ryan De Michael in der dritten Spielminute witterten die 800 Zuschauer schon die Wende, ohne zu wissen, dass sie gerade den einzigen Korberfolg ihres Teams für die nächsten fünf Minuten bejubelten. Was folgte war eine Demonstration des Teams von Coach Markus Zilch, 13 Punkte in Folge und die verzweifelten Versuche der Zuschauer, ihr Team durch Anfeuerungsrufe zum Erfolg zu treiben. Mit zwei erfolgreichen Freiwürfen machte Nils Menck der Kirchheimer Durststrecke ein Ende (7:20). Zwei Dunkings von Gordon Scott machten Hoffnung, doch die Freiburger hatten jeweils die passende Antwort, so dass das erste Viertel mit 12:26 zu Ende ging.

Auch im zweiten Viertel befanden sich die Ritter auf der Suche nach Sicherheit, Einstellung und Form: während die Freiburger angeführt von Roquette & Sharda nach Belieben punkteten, agierte das Heimteam glücklos. Zwanzig Punkte betrug der Vorsprung der Freiburger (16:36), als einer von insgesamt nur zwei erfolgreichen Dreipunktewürfen durch Scott Freymond den Ansatz einer Aufholjagd einläutete: den Knights gelang ein 9-0 Lauf, die Freiburger wurden vermehrt durch eine aggressivere Abwehr zu Fehlern gezwungen. Trotzdem war der Rückstand zur Halbzeit mit 34:46 immer noch deutlich.

Ob die an diesem Abend daheimgebliebenen Fans bereits eine Vorahnung hatten? Die für Kirchheimer Verhältnisse überschaubare Anzahl von Zuschauern feuerte jedoch unermüdlich ihr Team an und hoffte insgeheim doch noch auf den Umschwung – der aber auch im dritten Viertel nicht kam. Egal, in welche Kombination Ignjatovic seine Spieler aufs Feld schickte, sie fanden nicht zusammen. Eine zwei Minuten andauernde Durststrecke zum Ende des dritten Spielabschnitts ließ die mittlerweile hoch foulbelasteten Freiburger wieder auf 50:67 davonziehen. Kennzeichnend für die Leistung der Kirchheimer war, dass auch aus dieser hohen Foulbelastung im abschließenden Viertel kein Profit gezogen wurde – eine rechtzeitige Umstellung der Taktik war für die Zuschauer nicht zu erkennen. Im Gegensatz zu dem erwarteten letzten Aufbäumen des Heimteams schienen sich die Ritter wehrlos ihrem Schicksal zu ergeben, die Freiburger verwalteten ihren sicheren Sieg und so verliefen die ersten viereinhalb Minuten des letzten Viertels ganz ohne Punkt. So viel Destruktivität auf dem Feld raubte dann auch dem letzten motivierten Fan die Lust auf Aktivität. In ungewohnter Stille endete somit ein Spiel, lediglich unterbrochen vom Szenenapplaus für Freiburgs Topscorer Andrew Hunter für dessen Dunking zum 64:80 kurz vor Ende der Partie – bezeichnend für einen grausamen Halloweenauftritt der Knights, der mit einer 64:80 Niederlage endete.

Wo aber war der Spielwitz der vergangenen Spiele geblieben? Verloren auf dem Wege zurück aus Crailsheim? Wurde der Gegner trotz dauerhafter Ermahnung durch Ignjatovic unterschätzt? Lediglich Ryan De Michael brachte mit 16 Punkten und 13 Rebounds seine Normalleistung, Scott Freymond zeigte sich in der ersten Halbzeit positiv, alle anderen verschwanden kollektiv im Niemandsland der Statistik. „Wir standen uns heute selbst im Weg und müssen mit der schmerzhaften Erfahrung einer deutlichen und verdienten Niederlage fertig werden“, versuchte sich ein deutlich verärgerter Ignjatovic in ersten Erklärungen. Die Suche nach den wahren Gründen für die inakzeptable Leistung wird aber erst gemeinsam mit dem Team in der kommenden Woche stattfinden, um dann einen Schlussstrich zu ziehen und den Blick nach vorne zu richten. Am Ende bleibt die Entschuldigung von Ignjatovic an die Adresse der Fans, das Abrutschen auf Tabellenplatz fünf, eine wenig Spaß versprechende, konzentrierte Vorbereitung auf das nächste schwere Spiel in Essen und die Zuversicht, dass es wieder aufwärts gehen wird.


VfL Kirchheim Knights gegen USC Freiburg 66:80 (12:26, 22:21, 16:20, 16:30)

VfL Kirchheim Knights:
Tomasevic 9 (1/5 Dreier), Chennoufi 2 (0/2, 1 Reb), Freymond 13 (1/6, 3 Reb.), Scott 9 (1/6, 1 Reb.), De Michael 16 (13 Reb.), Menck 4 (0/2, 2 Reb.), Koch, Reichmuth (n.e.), Lischka 2 (0/1, 4 Reb.), Heyden (0/1, 1 Reb.), Gilliam 2 (2 Reb.), Larsson (n.e.)

USC Freiburg:
Petric 11, Bosse, Sharda 12, Robinson 6, Evans 15, Becker, Hunter 16, Haag, Grübler 5, Herdrich, Roquette 15, Tessmann


Kommentare


« zurück